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vom 5. Juni 2018


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Beitrag über Pferdekommunikation und Verhaltenstherapie

vom 16. April 2016

Ein pferdisches Interview- Fragen an....

 

In den letzten Tagen hatte ich vermehrt ein paar spannende Gespräche zum Thema Pferdetraining. Unter anderem mit einem Stallburschen und einer lieben Stallkollegin. Diese Gespräche haben mich inspiriert daraus eine kleine Interviewreihe zu schreiben, auch mit den Pferdefachleuten mit denen ich eng zusammen arbeite, denn ein paar Fragen werden mir und sicher auch den Spezialisten immer wieder gestellt. Und weil ich viele Fragen und deren Antworten aus meinen Gesprächen so toll und wichtig finde, mache ich selbst den Anfang und habe diese Gespräche mal aufgeschrieben.

 

Fragen an die Pferdeverhaltenstherapeutin Julia Neßler

 

Pferdeverhaltenstherapeutin? So wie im Film der Pferdeflüsterer?

 

- Die Absicht ist zwar die Selbe, jedoch ist der Hollywood Film natürlich eher ein Roman als eine Dokumentation über die Pferdeverhaltenstherapie.

 

Flüsterst du den Pferden denn eigentlich bei der Arbeit etwas ins Ohr?

 

- Manchmal, aber das hat natürlich nichts mit meiner Arbeit zu tun. Wenn ich mal mit Pferden rede oder flüstere, dann nur weil ich ihnen danke sage oder sie ergänzend mit Stimme lobe. Manchmal auch um meine Atmung, meinen Puls und meine Gedanken zu überprüfen und zu kontrollieren. Meine Arbeit basiert aber hauptsächlich auf der nonverbalen Kommunikation, also der ganzheitlichen Körpersprache, sowie der Anwendung von Lerntheorien und situationsabhängigen und fallspezifischen Nutzung der Trainingspsychologie.

 

Bist du im Training schonmal an deine Grenzen gekommen?

 

-Immer wieder! Jedoch weniger beim Pferd, häufiger beim Menschen. Mittlerweile habe ich das Gefühl, Pferde manchmal besser zu verstehen als meine eigene Spezies. Mich macht es vor allem traurig wenn ein Pferdebesitzer kein Verständnis oder wie in den meisten Fällen keine Geduld mit dem Pferd und der Situation aufbringen kann. Dabei komme ich immer wieder an meine Grenzen. Ich möchte dann am liebsten das Pferd einpacken und mit nach Hause nehmen. Auch wenn ich in einem Stall zum Training bin und beobachte wie einem Pferd Unrecht getan wird oder sogar etwas schlimmeres passiert. So viel Unnötiges Leid, aber als Trainer muss man sich emotional auch davor schützen. Ich greife immer ein wenn ich etwas tierschutzwidriges beobachte. Aber generell versuche ich nicht mit erhobenem Zeigefinger die Menschen zu bekehren, ich versuche einfach ein Vorbild zu sein. Viele Eindrücke nehme ich dann aber auch mit nach Hause und teilweise grübel ich die ganze Nacht über das eine Pferd was mir so sehr gezeigt hat dass es unglücklich ist.

 

- Ist diese Art der Arbeit anstrengend?

 

Das Training selbst ist wenig anstrengend. Es sind alles routinierte Handlungen. Ich könnte garnicht mehr anders trainieren. Vieles mache ich mittlerweile unbewusst, manchmal sogar in Situationen in denen ich nur als Zuschauer eine andere Trainingseinheit beobachte, so wie das Ausatmen um Druck raus zu nehmen oder das Pferd zu beruhigen. Als ich anfing so zu arbeiten war ich der Meinung eine große Verantwortung zu haben und müsse alle Menschen davon überzeugen dass dies der einzig richtige Weg ist. Das hat sehr viel Energie gekostet und war ein Kampf gegen Windmühlen. Als ich mich dann von meiner damaligen Mentorin gelöst habe, wurde mir klar dass es einen schöneren Weg gibt der Welt zu helfen. Was ich heute vor allem noch als anstrengend empfinde, sind Trainingseinheiten mit Pferden in denen ich ausschließlich Verhaltenstherapie mache. Allerdings rein emotional gesehen. Dabei fließt so viel Leid, Trauer und manchmal auch Schmerz. Ich als Empath spüre diese Emotionen 1 zu 1. Nicht selten brauche ich danach ein paar Stunden um meine Ressourcen wieder aufzufüllen. Manchmal steige ich nach so einer Einheit ins Auto und weine erstmal bevor ich dann losfahren und zum nächsten Pferd gehen kann.

 

Macht es dich wütend wenn Menschen schlecht zu ihren Pferden sind?

 

-Ja. Und dann macht es mich sofort auch traurig. Denn ich glaube, dass es nur sehr wenige Menschen gibt, die mit Absicht "schlecht" zu ihren Pferden sind. Ich glaube dass jeder versucht das Beste für sein Pferd zu geben. So gut man es eben in diesem Moment gerade wusste und umsetzen konnte. Viele Reiter kennen garkeinen anderen Ansatz. Und dann steht da manchmal auch noch das eigene Ego im Weg. Und das sind doch alles Gründe für die man Verständnis haben kann. Was mich traurig macht ist, dass es immer noch so viele Reiter gibt die sich nicht weiterbilden. Ebenso viele "Experten" denen man einfach irgendwie vertraut. Ich rate Pferdemenschen einfach immer wieder, dass sich jeder so gut es geht mit den wichtigsten Themen auseinander setzen sollte. Und immer kritisch bleiben und Dinge hinterfragen muss.

 

Du arbeitest körpersprachlich sehr fein und nutzt viel Energieübertragung. Oft sind deine Hilfen kaum sichtbar. Hat das lange gedauert bis du das gelernt hast?

 

-Ich glaube dass Lernen nie endet. Ich habe den Anspruch an mich selbst immer besser zu werden. Jeden Tag besser als den Tag zuvor. Die Technik selbst habe ich im 3 jährigen Studium erlernt.

 

Welche Voraussetzungen muss man dafür mitbringen so zu arbeiten?

 

-Es Bedarf natürlich gewisser Softskills und idealerweise ein großes Stück Empathie. Die Technik und die Körpersprache kann aber jeder lernen. Ich hatte auch Schüler die im Rollstuhl saßen oder einen Schlaganfall hatten. Da mussten wir natürlich ein paar Details anpassen. Ich persönlich mag es gerne wenn jemand seine ganz eigene Art mit einfließen lässt und denke dass damit jeder seine eigenen Stärken und Bereiche hat, in denen er besonders geschickt ist.

 

Was hat dir neben dem Erlernen der Technik noch geholfen deine Arbeit zu verfeinern?

 

-Vor allem jedes einzelne Pferd mit dem ich arbeiten durfte. Können kommt von machen und so habe ich mich vor allem durch die Feldpraxis in den letzten 10 Jahren enorm weiterentwickelt. Zudem habe ich mich in Sachen Pferd vor allem ganzheitlich weitergebildet. Gerade auch die Bereiche Anatomie, Biomechanik, Haltung, Fütterung, Equipment und Medizin sind ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Abgesehen vom pferdischen Wissen natürlich auch einige Auszüge aus der Psychologie und Rhetorik des Menschen, da ein Großteil der Arbeit ja auch mit dem Besitzer stattfindet. In meiner Freizeit mache ich Yoga und intuitives Bogenschießen. Das hat vor allem meine Atmung und mein Körpergefühl weiterentwickelt. In meiner Jugend habe ich Kampfsport gemacht, auch das hat mir sehr geholfen ein Bewusstsein für Bewegungen und Atmung zu bekommen. Generell versuche ich auch im Alltag sehr achtsam mit mir und meiner Umwelt zu sein. Ich glaube auch das hilft mir im Pferdetraining sehr.

 

Was hälst du von Tierkommunikation, also über Gedankenübertragung?

 

-Leider hatte ich selbst noch nicht viele Berührungspunkte mit dem Thema, was ich gerne ändern würde. Im Studium durfte ich Anna Twinney aus den USA kennenlernen und mit ihr sowohl die Tierkommunikation, u.a. auch mit verstorbenen Tieren, als auch die Kinesiologie durchführen. Ich finde das Thema höchst spannend, glaube aber dass es auch in dem Bereich diverse Leute gibt, die die Gutgläubigkeit und Hoffnung der Menschen ausnutzen.

 

Was unterscheidet deine Arbeit von der Tierkommunikation?

 

-Ich denke der größte Unterscheid liegt vorallem darin, dass ich schlichtweg mit Körpersprache und der Lernpsychologie arbeite. Beides Bereiche die wissenschaftlich sehr fundiert sind und immer wieder neu überprüft und weiterentwickelt werden. Dinge die für jeden Menschen greifbar sind.

 

Gibt es ein Pferd was dich besonders geprägt hat? Eines was dir nicht mehr aus dem Kopf geht?

 

-Ja, so ziemlich jedes Pferd. Denn jedes einzelne Pferd mit dem ich arbeiten durfte hat mich etwas ganz bestimmtes gelehrt. Jedes Pferd beeindruckt mich mit seiner ganz persönlichen Art und jedes rührt mich mit seiner Sanftheit. Ich liebe es wie kreativ Pferde werden können, was für eine hohe soziale Intelligenz sie haben und wie sehr sie die Menschen ins Hier und Jetzt holen können. Als Kind hatte ich eine deutsche Reitponystute namens Kiri an die ich noch heute oft denken muss. Sie hatte Hufrehe und irgendwie war niemand ausreichend aufgeklärt um ihr das Leben damit zu erleichtern. Ein weiteres Pony namens Max welches ich einige Jahre nach Kiri hatte, war wieder so eine Lebensversicherung. Max wurde mir auf der Weide vergiftet. Kein Tierarzt den wir zur Rate zogen konnte uns wirklich gut helfen. Max starb in meinem Armen als ich 15 Jahre alt war, als wir ihn gerade versucht haben für die Fahrt in eine Tierklinik zu verladen. Diese beiden Pferde haben meinen Weg sehr geprägt und sind ein Hauptgrund warum ich mich so ganzheitlich weiterbilde.

 

Pferde-stärken Julia Neßler

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Julia Neßler

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